Witalij Buntow wurde fünfmal gefoltert

Doch nicht alle können fliehen. Witalij Buntow sitzt seit 13 Jahren im Gefängnis. Er ist wohl der bekannteste Häftling, der fünfmal (offiziell bestätigt) grausam gefoltert wurde. Angeklagt wurde der junge Geschäftsmann Buntow wegen "Raub, Mordes und Mordversuchs eines Polizisten bei Festnahme".

Buntow zu schließlich zu 25 Jahren Haft verurteilt. Er selbst bestreitet alle Anschuldigungen und nennt das Ganze "eine Farce". Sein ehemaliger Anwalt Andrej Stolbunow sagte, das erste Verdikt in Habarowsk sei gesetzwidrig gewesen und müsste somit erneut geprüft werden. Zurzeit versteckt sich Stolbunow im Ausland, nachdem er mehrere Drohbriefe erhalten habe.

Witalij Buntow mit Folterspuren. Bild: buntov.info

Buntow selbst musste um sein Leben kämpfen. Er wollte keiner "Gang" im Knast angehören und wurde somit kontinuierlich stigmatisiert. Die Insassen der Strafkolonie IK-13 in Habarowsk waren dafür bekannt, unter Aufsicht des Gefängnispersonals Drogen und Stichwaffen herzustellen. Nach mehreren Morddrohungen wurde Buntow in die Strafkolonie IK-1 in der Tulskaja Oblast transportiert.

Buntow ist professioneller Sporttrainer und hat mehrere Qualifikationen im Kampfsport. Er wollte nicht mit der "Knast-Spitze" kooperieren, die ihm angeboten habe, andere Insassen zu foltern, um benötigte Bekenntnisse herauszukriegen. Buntow lehnte das Angebot ab und wurde selber gefoltert. Nicht nur einmal – mehrmals. 2012 wurde er mit einem Baseballschläger geschlagen, seine Nieren waren fast nicht mehr funktionsfähig.

Danach wurden Nadeln unter seine Nägel gesteckt, anschließend alle Nägel an Händen und Füßen auf brutale Art und Weise herausgezogen (s. Foto). Einer Ohnmacht nahe wurde er gezwungen, den Boden vom eigenen Blut mittels eines dreckigen Tuchs sauber zu machen. So konnte Buntow seine Fingernägel finden und diese beim Treffen mit seiner Frau letzterer heimlich übergeben. Doch der Staatsanwaltschaft war dieser Beweis nicht genug. Es kam zu neuen Foltern im Gefängnis.

Alle Hand- und Fußnägel wurden herausgezogen. Bild: buntov.info

Seine Frau, Irina Buntowa, sah ihren Mann nur dreimal im Jahr, obwohl die gesetzlich festgelegte Zahl bei 12 Besuchen liegt. Hunderte Briefe an alle möglichen Machtorgane der Russischen Föderation waren erfolglos. Danach entschieden sich Irina, ihre Mutter und Schwester eine Anklage gegen den russischen Staat zu erstellen. Mit Hilfe von gulagu.net schrieben sie den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) in Straßburg an. Am 5. Juni 2012 beschloss der EGMR, Russland müsse 45.000 EUR Kompensation zahlen, dazu noch 10.000 EUR für Gerichtsausgaben.

Zum ersten Mal in der Geschichte hat ein Häftling gegen FSIN gewonnen. Doch das war der Anfang vom Ende. Im August 2012 wurde Buntow aus der Tulskaja Strafkolonie in die Permskaja (2.000 Kilometer entfernt von seiner Familie) transportiert. Wieder gesetzwidrig, da Häftlinge laut Gesetz in der Region einsitzen müssen, wo sie und ihre Familien angemeldet sind. Natürlich konnten Buntow keine Menschenrechtler besuchen, da er mitten in der Taiga im Gefängnis saß. Buntow wurde zum Zeitpunkt schon dreimal gefoltert. Das ganze Vorgehen gegen ihn ist nichts anderes als Repression. Der russische Staat übte seine Macht weiter aus, trotz Protesten und dem EGMR-Urteil.

Am 22. Februar erzählte Irina Buntowa, die Folter gegen ihren Mann werde immer noch ausgeübt. Die Gefängnismitarbeiter beharrten darauf, Buntow sollte die Anklage aus dem EGMR zurücknehmen. Er wurde brutal gefoltert, sein Körper war voller Hämatome und Blauflecken (s. Foto). Dazu konnten eine Gehirnerschütterung festgestellt werden, hoher Blutdruck und nur eine Teilfunktion der linken Hand. Der Gefängnisdirektor G. Nazarow verbot, Buntow medizinische Hilfe zu leisten.

Seit 2012 wurde keiner der Verantwortlichen unter Strafe gestellt, einige haben sogar höhere Arbeitspositionen bekommen. Noch 12 Jahre bleibt Witalij Buntow in Haft. Sein Gesundheitszustand verschlechtert sich, die Foltermethoden werden immer schlimmer. Bis jetzt "durfte" das Gefängnispersonal ihn brutal zusammenschlagen, nun könnten solche Taten durch die Duma bewilligt werden. Das "Sadisten-Gesetz" bringt tausende Häftlinge in Lebensgefahr. Diejenigen, die aufgrund von fabrizierten Rechtsfällen festgenommen werden, wissen schon, was sie erwartet. Somit versuchen Menschenrechtler, Anwälte oder erpresste Geschäftsmänner, aus Russland zu fliehen.

Wladimir Ionow bei seinem Protest.

Vor Protesten einzelner Menschen hat die russische Regierung ebenso Angst. Am vergangenen Wochenende protestierte ein 75-jähriger Mann in der Nähe des Kremls. Wladimir Ionow ist ein relativ bekannter Aktivist und geht immer wieder auf die Straße. Er hat niemanden zu Unruhen aufgefordert, er stand nur schweigsam da mit seinem Plakat: "Putin ist da. Wofür braucht man ein Gehirn?"

Dann kamen Aktivisten der Bewegungen "SERB" und "NOD". Sie haben alles gefilmt - die Rache von Putins Jugend. Auf Wladimir Ionow wurde Farbe geschüttelt, danach bestreuten sie ihn mit Mehl. Eine Art Lynchjustiz gegen alle, die etwas zu sagen haben. So kann man auch im Gefängnis landen. Aber dort gibt es andere Lynch-Methoden als Farbe und Mehl.

Источник: Heise Online
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Мнение

Почему я занимаюсь правозащитой и общественным контролем в тюрьмах?

Я считаю, что законы Российской Федерации для всех граждан равны и их нужно соблюдать, тем более тем кто служит в ФСИН и МВД, они - лицо государства. И только реальный и честный общественный контроль может поменять неблагоприятную ситуации в ИК, СИЗО, ИВС и отделах полиции.

Пронин Дмитрий Евгеньевич
Координатор Gulagu.net, член ОНК Московской области